Ein Ankaufservice für gebrauchte PC-Hardware, eine WordPress-Website seit März online, und Google kannte sie kaum: 7 Klicks im Monat, Durchschnittsposition 35. Knapp acht Wochen nach Projektstart sind es 175 Klicks im Monat bei Position 9,9. Hier zeige ich, was ich in zwei Projektphasen gefunden und umgesetzt habe, mit den echten Zahlen aus der Google Search Console.
Das Ergebnis in Zahlen
Verglichen habe ich die 28 Tage vor Projektstart mit den letzten 28 Tagen, für die Google Daten liefert.
| Kennzahl | 14.07. bis 10.08.2026 | 06.09. bis 03.10.2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Klicks | 7 | 175 | 25-fach |
| Impressionen | 336 | 2.620 | 7,8-fach |
| Klickrate (CTR) | 2,1 % | 6,7 % | mehr als verdreifacht |
| Durchschnittliche Position | 35,1 | 9,9 | 25 Plätze besser |
Quelle: Google Search Console von pc-hardware-ankauf.de, Suchtyp Web, abgerufen am 6. Oktober 2026.
Position 35 heißt Seite vier der Google-Ergebnisse, dort klickt praktisch niemand. Position 9,9 heißt knapp Seite eins.
Ausgangslage: ein Ankaufservice, den Google kaum kannte
pc-hardware-ankauf.de kauft gebrauchten Arbeitsspeicher, SSDs und Prozessoren von Privatleuten und Firmen an. Alles läuft per Versand: Angebot anfragen, DHL-Label bekommen, Geld per PayPal oder Überweisung erhalten. Die Website ist eine WordPress-Seite mit dem Block-Editor und ging im März 2026 online.
Als ich im August eingestiegen bin, sah es so aus:
- 4 Seiten im Google-Index, die Preisliste war nicht dabei
- 7 Klicks aus der Google-Suche pro Monat bei Durchschnittsposition 35
- rund 75 Prozent aller Anfragen kamen über Google Ads, und die Anzeigen waren seit Mitte Juli pausiert
- Anfragen kamen über ein Freitextformular und wurden in Analytics nicht sauber gemessen
Der Betreiber der Website wollte über Google mehr passende Ankaufsanfragen bekommen, ohne die Seite komplett neu zu bauen. Wir haben das Projekt in zwei Stufen aufgeteilt: Phase 1 für Analyse und Konzept, Phase 2 für die Umsetzung.
Phase 1: Was die Analyse ans Licht gebracht hat
Bevor ich irgendetwas geändert habe, bin ich Search Console, Analytics und den Quelltext durchgegangen. Vier Befunde haben das ganze Projekt bestimmt.
Befund 1: Die wichtigste Seite war für Google unsichtbar
Die Preisliste mit rund 110 Prozessor-Modellen und konkreten Ankaufspreisen war fünf Monate lang nicht im Index. Die URL-Prüfung in der Search Console meldete: „URL ist Google nicht bekannt“. Der Grund war banal. Es war nie eine Sitemap eingereicht worden, Google war der Seite schlicht nie begegnet.
Ich habe die Sitemap eingereicht und die Indexierung beantragt. Drei Tage später standen sechs statt vier Seiten im Index, die Preisliste war dabei. Aufwand: ein paar Minuten.
Befund 2: Die beste Seite hatte kein Formular
Wer die Preisliste besuchte, fragte 2,4-mal so häufig an wie andere Besucher. Nur stand auf der Preisliste kein Anfrageformular. Wer seinen Preis gefunden hatte, musste erst die Seite wechseln, um zu verkaufen. Genau an dieser Stelle hat die Website ihre interessiertesten Besucher verloren.
Befund 3: Mobil ist der Normalfall
86 Prozent der Besucher kamen mit dem Smartphone. Unter den Besuchern der Preisliste fragten mobile Nutzer aber nur halb so oft an wie Desktop-Nutzer. Deshalb habe ich die neuen Seiten konsequent zuerst fürs Handy gebaut.
Befund 4: Die Anfragen wurden nicht richtig gemessen
Das Formular meldete den Versand nicht an Google Analytics. Gezählt wurde nur ein automatisch erkanntes Ersatzsignal. Ohne saubere Messung lässt sich später nicht belegen, welche Seite welche Anfrage bringt.
Nebenbei habe ich die Datenaufbewahrung in Analytics von zwei auf vierzehn Monate gestellt. Ab Werk löscht Google Analytics Ereignisdaten nach zwei Monaten, Jahresvergleiche sind damit unmöglich.
Phase 1: Keywords, Wettbewerb und eine bewusste Entscheidung
Für die Keyword-Recherche habe ich den Google Keyword-Planer genutzt. Für den Wettbewerb habe ich die ersten zehn Google-Ergebnisse zu den wichtigsten Suchbegriffen ausgewertet und sechs Anbieter im Detail verglichen. Drei Ergebnisse haben die Struktur der Website festgelegt.
Eine Seite pro Suchabsicht
Die Startseite zielt auf Dachbegriffe wie „pc hardware ankauf“ und „pc hardware verkaufen“. Je eine eigene Seite für Arbeitsspeicher, SSD und Prozessoren zielt auf „ram verkaufen“, „ssd verkaufen“ und „cpu verkaufen“. Jeder Suchbegriff bekommt genau eine Zielseite. So konkurrieren die eigenen Seiten nicht um dieselben Suchen, ein Problem, das man Keyword-Kannibalisierung nennt.
Ein überraschender Fund in den Suchergebnissen
Bei der Suche nach „ssd verkaufen“ stand ein reiner Ratgeberartikel von heise.de über sicheres Löschen auf der ersten Seite. Google hat verstanden: Wer eine SSD verkauft, sorgt sich um seine Daten. Der Betreiber löscht jede SSD vollständig, bevor er sie weiterverkauft, hat das auf der Website aber nirgends erwähnt. Heute steht genau das ganz oben auf der SSD-Seite.
Keine Unterseite für jedes Modell
Naheliegend wäre gewesen, für jedes der über 100 Prozessor-Modelle eine eigene Seite zu bauen, etwa „i7 9700K verkaufen“. Die Suchergebnisse sprechen dagegen. Für solche Suchen zeigt Google Marktplätze, Händler und Preisvergleiche. In den ersten zehn Ergebnissen stand keine einzige Modellseite eines Ankaufservice. Der einzige Ankäufer, der überhaupt auftauchte, rankte mit einer allgemeinen Kategorieseite.
Google interpretiert „Modell plus verkaufen“ offenbar als Kaufabsicht. Dazu kommt der Pflegeaufwand: über 100 Seiten bei jeder Preisänderung. Stattdessen habe ich die Preisliste zu einer eigenständigen, durchsuchbaren Seite ausgebaut. Die Modellnamen stehen dort im Text und greifen bei genaueren Suchen, ohne dass hundert Einzelseiten gepflegt werden müssen.
Phase 2: Was ich umgesetzt habe
Phase 2 habe ich komplett auf einer Staging-Kopie gebaut und am 27. September live geschaltet. Diese Maßnahmen stecken drin:
| Maßnahme | Umsetzung | Wirkung |
|---|---|---|
| SEO-Plugin | Rank Math statt des vorinstallierten Plugins, neue Sitemap eingereicht | saubere Sitemap, Titel und Beschreibungen pro Seite |
| Strukturierte Daten | WebPage, Service und FAQPage, die FAQ wird automatisch aus dem Seiteninhalt erzeugt | Suchmaschinen erkennen Angebot und Fragen direkt |
| Überschriften | genau eine H1 pro Seite, keine übersprungenen Ebenen | klare Gliederung für Google und Screenreader |
| Startseite | Titel, H1 und interne Links auf den Dachbegriff ausgerichtet | grenzt die Startseite von den Kategorieseiten ab |
| Drei Landingpages | Arbeitsspeicher, SSD und Prozessoren, jeweils mit Preisrechner | Preis und Formular auf derselben Seite, zuerst fürs Handy gebaut |
| Zentrale Preisverwaltung | eigenes WordPress-Plugin als einzige Quelle für Preisliste und Rechner | eine Preisänderung wirkt überall, nichts läuft auseinander |
| Preisliste | Sprungmarken je Serie, Suchfunktion, 133 Modelle | eigenständige Ranking-Seite statt Sackgasse |
| Interne Verlinkung | Startseite, Preisliste und Kategorieseiten verweisen aufeinander | Google erkennt die Struktur, Besucher finden den nächsten Schritt |
| Conversion-Tracking | jede Anfrage als eigenes Ereignis in Google Analytics, mit Kategorie und Richtwert | messbar, welche Seite welche Anfrage bringt |
| Vertrauen | Seite „Über“ neu aufgebaut, Datenlöschung bei SSDs sichtbar gemacht | beim Versandankauf entscheidet Vertrauen über die Anfrage |
Zusätzlich speichert WordPress jede Anfrage in einer eigenen Ablage. Bleibt eine E-Mail einmal hängen, geht trotzdem keine Anfrage verloren.
Der Preisrechner war mir besonders wichtig. Der Verkaufende wählt Bauform, Generation und Kapazität und sieht sofort einen Richtwert als Preisspanne. Er verlässt die Seite mit einer Zahl statt mit einer Wartezeit, und der Betreiber bekommt eine Anfrage, aus der sich direkt ein Angebot rechnen lässt.
Was die Zahlen zeigen, und was nicht
Der Zuwachs hängt nicht an einem einzelnen Zufallstreffer. Er verteilt sich über genau die Begriffe, die ich der Startseite zugewiesen habe:
| Suchbegriff | Klicks vorher | Klicks heute | Impressionen heute |
|---|---|---|---|
| pc teile verkaufen | 0 | 14 | 184 |
| pc komponenten verkaufen | 0 | 14 | 75 |
| pc hardware verkaufen | 0 | 12 | 128 |
| pc hardware ankauf | 2 | 12 | 68 |
Gleicher Vergleich wie oben, je 28 Tage vor Projektstart und bis 3. Oktober 2026.
Auf Seitenebene stieg die Startseite von 7 auf 151 Klicks und von 107 auf 1.928 Impressionen. Die Preisliste, vorher gar nicht im Index, kommt auf 18 Klicks und 590 Impressionen.
Drei Einordnungen gehören dazu, damit die Zahlen ehrlich gelesen werden:
- Die Ausgangsbasis war klein. Aus 7 Klicks wird schnell ein großer Faktor. Aussagekräftiger als „25-fach“ ist die Position: von Seite vier auf Seite eins.
- Die Website ist jung. Sie ging im März 2026 online, ein Teil des Wachstums wäre auch ohne Projekt gekommen. Die Kurve war aber seit Juni flach und knickt Ende August nach oben, rund zwei Wochen nach Einreichung der Sitemap.
- Phase 2 steckt kaum in diesen Zahlen. Sie ging erst am 27. September live, die drei neuen Landingpages tauchen in der Auswertung bis 3. Oktober noch gar nicht auf. Was hier steht, ist vor allem der Effekt von Phase 1.
Was die Zahlen nicht zeigen, sind Anfragen. Sichtbarkeit ist die Voraussetzung, aber noch kein Umsatz. Seit Ende September misst das neue Tracking jede Anfrage mit Kategorie. Wie viele Ankäufe daraus werden, ergänze ich hier, sobald die Zahlen belastbar sind.
Drei Erkenntnisse für andere kleine Websites
Aus dem Projekt nehme ich drei Punkte mit, die für fast jede kleine Website gelten.
Eine Website kann monatelang online sein und für Google trotzdem nicht existieren. Bei pc-hardware-ankauf.de war die wichtigste Seite fünf Monate lang nicht im Index, weil nie eine Sitemap eingereicht wurde. Nach der Einreichung stiegen die Klicks in unter acht Wochen von 7 auf 175 im Monat.
Thomas Gress, WordPress- und SEO-Freelancer
Bei kleinen Websites kostet der größte SEO-Hebel oft nur Minuten: Sitemap einreichen, Indexierung prüfen, jede Seite auf genau eine Suchabsicht ausrichten. Neuer Inhalt lohnt sich erst, wenn Google die vorhandenen Seiten überhaupt findet.
Thomas Gress, WordPress- und SEO-Freelancer
Modellgenaue Unterseiten wie „i7 9700K verkaufen“ bringen Ankaufservices kaum etwas. Google zeigt bei solchen Suchen Marktplätze, Händler und Preisvergleiche. Unter den ersten zehn Ergebnissen fand sich keine einzige Modellseite eines Ankäufers.
Thomas Gress, WordPress- und SEO-Freelancer
Häufige Fragen
Wie schnell wirkt SEO bei einer kleinen Website?
Technische Grundlagen wie eine eingereichte Sitemap wirken oft innerhalb weniger Wochen. Bei pc-hardware-ankauf.de knickte die Kurve rund zwei Wochen nach der Einreichung nach oben. Neue Seiten brauchen erfahrungsgemäß länger: erste Bewegung nach vier bis acht Wochen, belastbare Zahlen nach etwa drei Monaten.
Warum wird meine Website bei Google nicht gefunden, obwohl sie online ist?
Häufig kennt Google die Seite schlicht nicht. Ohne eingereichte Sitemap und ohne Links von außen kann eine Seite monatelang unentdeckt bleiben. Prüfen kannst du das in der Google Search Console mit der URL-Prüfung. Steht dort „URL ist Google nicht bekannt“, fehlt Google der Weg zur Seite.
Wie reiche ich eine Sitemap bei Google ein?
In der Google Search Console unter „Sitemaps“ die Adresse der Sitemap eintragen und absenden. Bei WordPress mit Rank Math oder Yoast lautet sie meist /sitemap_index.xml. Danach lohnt es sich, wichtige Seiten zusätzlich über die URL-Prüfung zur Indexierung anzumelden.
Lohnt sich eine eigene Unterseite für jedes Produkt oder Modell?
Nur wenn Google für diese Suchen auch solche Seiten zeigt. Ein Blick in die ersten zehn Suchergebnisse verrät das. Beim Hardware-Ankauf zeigt Google für Modellsuchen Marktplätze und Händler, deshalb war eine durchsuchbare Preisliste hier die bessere Lösung.
Was ist Keyword-Kannibalisierung?
Wenn mehrere Seiten derselben Website auf denselben Suchbegriff zielen, konkurrieren sie gegeneinander. Google weiß nicht, welche Seite es zeigen soll, und rankt oft beide schlechter. Die Lösung ist eine klare Zuordnung: ein Suchbegriff, eine Zielseite.
Wie messe ich, ob SEO mehr Anfragen bringt?
Mit Conversion-Tracking. Das Absenden des Kontaktformulars wird als eigenes Ereignis an Google Analytics gemeldet und dort als Schlüsselereignis markiert. Mit einem Parameter wie der Produktkategorie siehst du zusätzlich, welche Seite welche Anfrage erzeugt.
Über den Autor
Ich bin Thomas Gress und arbeite als freiberuflicher WordPress- und SEO-Spezialist. Ich baue und optimiere Websites für Coaches, Berater und kleine Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Mein Schwerpunkt liegt auf SEO und Generative Engine Optimization, also der Sichtbarkeit in KI-Suchsystemen wie ChatGPT, Perplexity und Googles KI-Übersichten.
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